Wirtschaftskunde in der Oberstufe

Das Institut für Praxisforschung ist bestrebt, ab 2010 ein Forschungsprojekt zum Thema „Wirtschaftskunde in der Oberstufe“ zu initiieren. Dabei sollen in Zusammenarbeit mit Lehrkräften verschiedene praxisnahe Schulprojekte ausgewertet und Unterrichtsmaterialen entwickelt werden, die eine Anwendung von wirtschaftlichen Theorien und Konzepten in Bezug auf die Projekte ermöglichen. Ziel ist es, dass die wirtschaftlichen Aspekte der Projekte hervorgehoben werden und daraus ein grundlegendes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge entstehen kann, die Reichweite des eigenen wirtschaftlichen Handelns erfasst wird und vor allem die bestehenden Möglichkeiten zur aktiven Gestaltung des Wirtschaftslebens erkannt werden.

 

Konzept für die Entwicklung theoretischer Grundlagen eines praxisnahen Wirtschaftskundeunterrichts

Kernfrage

Wie muss Wirtschaftskunde in der Oberstufe gestaltet werden, damit die Schülerinnen und Schüler ein grundlegendes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge entwickeln und dieses sowohl individuell als auch aus gesellschaftlicher Perspektive gewinnbringend einsetzen? Anhand einer Arbeitshilfe sollen Wege aufgezeigt werden, wie die theoretischen Grundlagen des Wirtschaftslebens praxisnah in den Schulunterricht eingebunden und wie Praxiserfahrungen der Schüler ökonomisch aufgearbeitet werden können.

 

Grundidee

Dem Vorhaben, eine praxisnahe Arbeitshilfe für den Wirtschaftskundeunterricht in der Oberstufe zu erarbeiten, liegt die Überzeugung zugrunde, dass es in der gegenwärtigen Zeit wichtiger denn je ist, sich mit Fragen des Wirtschaftslebens auseinander zu setzen und diese aktiv mitzugestalten. Eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Wirtschaftsleben verlangt allerdings ein grundlegendes Verständnis für die theoretischen Konzepte der Ökonomie. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, die wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht aus einer einseitigen Perspektive zu betrachten, sondern Theorie und Praxis eng miteinander zu verknüpfen. Dies setzt voraus, dass im Rahmen der Wirtschaftskunde sowohl die Erarbeitung theoretischer Konzepte der Ökonomie und deren Anwendbarkeit in der Praxis als auch die ökonomische Analyse der Praxis anhand von theoretischen Konzepten ermöglicht wird.

 

Der Praxisbezug innerhalb der theoretischen Auseinandersetzung soll dabei anhand konkreter Beispiele aus dem Schulalltag hergestellt werden, wobei die interdisziplinäre Ausrichtung einen hohen Stellenwert einnimmt, bevor die gewonnenen Erkenntnisse in einen größeren ökonomischen Zusammenhang gestellt werden. Für die Analyse der Praxis liefern neben dem Schulalltag vor allem Praxisprojekte die nötige Grundlage für eine angewandte Wirtschaftskunde.

 

Auf Grundlage des Zusammenspiels von Theorie und Praxis sollen die Schüler ein Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge entwickeln, die Reichweite des eigenen wirtschaftlichen Handelns erfassen und die bestehenden Möglichkeiten zur aktiven Gestaltung des Wirtschaftslebens nutzen.

 

Aufbau der Arbeitshilfe

In der Arbeitshilfe werden sowohl betriebs- und volkswirtschaftliche Konzepte anhand konkreter Beispiele aus dem Schulalltag und Berufspraktika einbezogen als auch – und dieses spiegelt das zentrale Anliegen – Projekte vorgestellt und ökonomisch analysiert, die ein Praxislernen wirtschaftlicher Zusammenhänge ermöglichen und Gestaltungsmöglichkeiten des Wirtschaftslebens aufzeigen. Die Arbeitshilfe gliedert sich dabei in die folgenden vier Bereiche:

 

(1) Einführung ökonomischer Konzepte anhand von Beispielen aus dem Schulalltag:

 

Aufgrund der hohen Komplexität wirtschaftlicher Prozesse ist es unabdingbar, dass sich die Schüler mit einigen theoretischen Konzepten vertraut machen. Der Ansatz, die theoretischen Konzepte anhand des Schulalltags zu beleuchten, hat zum Vorteil, dass die Schüler auf dem betrachteten Gebiet bereits „Experten“ sind, denen die Abläufe innerhalb des Unterrichts oder der Schule vertraut sind. Die Konzentration kann somit vollständig den theoretischen Konzepten gewidmet werden, ohne dass der Gegenstand der Betrachtung als „Neuland“ weitere Unklarheiten hervorruft. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen abschließend in einen größeren ökonomischen Zusammenhang gestellt werden, indem ein Transfer zu (aktuellen) wirtschaftlichen und politischen Ereignissen hergestellt wird.

 

(2) Berufspraktika als Grundlage für die Entwicklung eines Verständnisses für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge:

 

In einem gesonderten Abschnitt sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie die gesammelten Erfahrungen aus Berufspraktika unter ökonomischen Gesichtspunkten aufgearbeitet werden können. Im Zentrum stehen dabei vor allem die betriebswirtschaftlichen Aspekte der Praktika, die anhand konkreter Beispiele aus der Berufspraxis dargestellt werden.

 

(3) Projekte zur Gestaltung des eigenen Wirtschaftslebens:

 

In der Arbeitshilfe sollen verschiedene Praxisprojekte vorgestellt werden, bei deren Umsetzung die Schüler ein Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge entwickeln können. Im Zentrum steht dabei die Ausarbeitung theoretischer Konzepte, um die gesammelten Praxiserfahrungen unter ökonomischen Gesichtspunkten aufarbeiten zu können. Die ausgewählten Projekte sollen zunächst das Wirtschafsleben aus dem direkten Umfeld der Schüler einbeziehen, bei denen die Schüler mit den Rahmenbedingungen vertraut sind. Deshalb werden in diesem Abschnitt der Arbeitshilfe ausschließlich Projekte vorgestellt, die entweder direkt in der Schule oder der unmittelbaren Umgebung umgesetzt werden können. Dabei wird angestrebt, dass die Projekte neben dem Lerneffekt der Schüler einen Nutzen für die Schule oder die Region haben.

 

(4) Projekte zur aktiven Gestaltung des gesamtgesellschaftlichen Wirtschaftslebens:

Mit zunehmenden Verständnis der Schüler für wirtschaftliche Prozesse soll das Wirtschaftsleben vermehrt aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive betrachtet werden, so dass die Projekte in einem größeren Kontext stehen, als dem persönlichen Schul- und Lebensumfeld der Schüler. Im Zentrum steht auch hierbei die Suche nach theoretischen Konzepten, um die Praxiserfahrungen unter ökonomischen Gesichtspunkten aufarbeiten zu können. Bei den Projekten mit einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang soll insbesondere das soziale Engagement im Vordergrund stehen.

 

Projektumsetzung

Das Projekt „Wirtschaftskunde“ soll in Zusammenarbeit mit Lehrkräften, Praktikabetreuern und Projektverantwortlichen realisiert werden. Durch deren Einbezug soll gewährleistet werden, dass sich die Arbeitshilfe an den Bedürfnissen der Schüler orientiert und keine vom Schulalltag losgelöste Studie darstellt.

 

Für das Gelingen des Vorhabens ist es von großer Bedeutung, dass die involvierten Personen möglichst über eigene Erfahrungen bei der Durchführung von Praxisprojekten mit Schülern verfügen, so dass sich die ökonomischen Konzepte auf reale, in der Arbeitshilfe dokumentierte Projekte beziehen, die in vergleichbarer Form auch an anderen Schulen initiiert werden können.

 

Neben der Veröffentlichung einer Arbeitshilfe wird das Institut für Praxisforschung interessierte Schulen bei der Einführung einer praxisnahen Wirtschaftskunde unterstützen und (zusammen mit den Projektverantwortlichen) eine beratende Funktion bei der Umsetzung von Praxisprojekten sowie deren ökonomische Aufarbeitung übernehmen.

 

Bei Interesse, Anregungen oder Fragen zum Forschungsvorhaben „Wirtschaftkunde“ wenden Sie sich bitte an:

 

jonas.bahr[at]institut-praxisforschung.ch

Konzept Wirtschaftskunde (vorläufiger Stand)
Wirtschaftskunde (Konzept).pdf
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